KNOW-HOW

Bindemittel für den neuen Straßenaufbau.

Kleine Materialkunde

Nachdem die alten, beschädigten Schichten aufgefräst sind, liegt das Fräsgut als kleinstückiges Granulat vor und muss neu gebunden werden. Hauptaufgabe aller Bindemittel ist es, alle Partikel eines Mineralgemisches unabhängig von ihrer Korngröße zusammenzuhalten. Das Ziel ist es, die Festigkeit des Mischguts und damit der Straße zu erhöhen. Beim Kaltrecycling spielen drei Bindemittel die Hauptrollen: das hydraulische Bindemittel Zement sowie die Bindemittel Bitumenemulsion und Schaumbitumen. Zementgebundene Beläge sind eher starr und deshalb sehr tragfähig, bituminös gebundene sind dagegen eher flexibel und haben eine geringere Neigung zur Rissbildung.

Zement erhöht effektiv die Tragfähigkeit

Das hydraulische Bindemittel Zement verfestigt das Fräsgut am wirkungsvollsten – auch wenn das Material zuvor bituminös gebunden war. Zementgebundene Straßen sind tragfähiger als bituminös gebundene. Die große Starrheit des Materials kann die Straße aber zu Rissbildung neigen lassen. Deshalb wird zunehmend eine Kombination aus bituminösen und hydraulischen Bindemitteln eingesetzt.

Bitumenemulsion: ein Gemisch aus Wasser und Bitumen

Die Bitumenemulsion besteht aus zwei unvermischbaren Flüssigkeiten: Bitumen und Wasser. Durch die Emulsion liegt das Bitumen in feinsten Tröpfchen verteilt im Wasser vor. Kommt die Emulsion mit dem Gestein in Berührung, „bricht“ sie. Die Bitumentröpfchen haften dann am Mineralgemisch und bilden einen Film, der die Steine umhüllt.

Schaumbitumen – neues Bindemittel in Schaumform

Setzt man 180 °C heißem Bitumen Wasser und Luft zu, gibt es eine Reaktion, die mit der Herstellung eines Cappuccinos zu vergleichen ist: Das Wasser verdampft schlagartig, dadurch schäumt das Bitumen auf und vergrößert seine Oberfläche, wodurch die Viskosität sinkt. Schaumbitumen wurde erst Anfang der 1990er Jahre für das Kaltrecycling entdeckt. Seither wächst der Marktanteil des Bindemittels enorm. Gegenüber der Bitumenemulsion reduziert die geschäumte Version den Bindemittel-Verbrauch und beschäftigt somit auch weniger Versorgungs-Lkw.

Schaumbitumen und Zement im Verbund

Kombiniert man Schaumbitumen und Zement, verbessern sich die Gebrauchseigenschaften einer Straße noch einmal deutlich. Solche Beläge bezeichnet man als halbstarr. Der Vorteil: Durch den Bitumenanteil bleibt der Baukörper flexibel und wirkt so der Rissbildung entgegen, zusätzlich steigert der Zement im Vergleich zu rein bituminös gebundenen Belägen die Verformungsfestigkeit und damit die Tragfähigkeit.

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